Museum zu Hause

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v o n   H a u s   z u   H a u s   # 3

>>  Ein Museum zu Hause  <<

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Das Museum für Alles in Tosterglope ist eine der Initiativen der Bürger, die durch das Kunstprojekt von Haus zu Haus seit 2013 im Auftrag der Gemeinde und in der Trägerschaft des Kunstraum Tosterglope bereits erste konkrete Formen angenommen hat.

Das Museum befindet sich nach wie vor in einer für Experimente offenen utopischen Phase. Mit dem für den 12. und 13. September angekündigten Projekt „Ein Museum zu Hause“ will das Künstlerkollektiv R&ST nun die Frage untersuchen, was Kunst ist und ins Museum gehört oder ob nicht jedes Haus schon ein Museum ist.

Welche öffentlichen Funktionen hat also ein Museum in einer ländlichen Gemeinde zu erfüllen, und was spielt sich andererseits in den privaten Häusern ab, ohne dass die Welt davon erfährt?

1967 äußerte Joseph Beuys im Rahmen seiner viel zitierten These der „Sozialen Plastik“ erstmals die Vorstellung, dass jeder Mensch ein Künstler ist. Das Künstlerkollektiv R&ST zieht etwa 49 Jahre später daraus den Schluss, dass alles Kunst ist. Schon Marcel Duchamp hat vor 98 Jahren alltägliche Gebrauchsgegenstände (ready-mades, von der Industrie oder dem Handwerk gefertigte Massenprodukte) wie das berühmte Urinoir durch einen Sockel und eine Signatur zum Kunstwerk (fontaine) erhoben. Piero Manzoni hat mit dem socle du monde 1961 den Sockel auf die Erde und damit die Frage gestellt, was denn nun eigentlich die Kunst sein soll. Ist also der Planet, die Natur, das Kunstwerk oder die Kultur, all das, was vom Menschen darauf geschaffen wird? Mit solchen Fragen beschäftigt sich das Museum für Alles. R&ST wollen wissen, ob diese Fragen von einem Museum beantwortet werden können, und ob es überhaupt einer solchen institutionalisierten Form zur Untersuchung dieser Fragen bedarf. Ist das Museum, sind die Antworten nicht bereits in jedem privaten Haus zu finden?

Johan Huizinga schreibt in seinem Hauptwerk homo ludens 1938: „Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‚Andersseins‘ als das ‚gewöhnliche Leben‘.“ Dieses Bewusstsein des Anderen im Leben wollen R&ST mit den Bürgern von Tosterglope in einem spielerischen Umgang mit den Werten des Kunstbetriebes schaffen.

Dazu wird auf eine Ausstellungsform zurückgegriffen, an die sich das Internet kaum noch erinnert. 1986 hat der belgische Kurator Jan Hoet die Ausstellung „Chambres d’Amis” in Gent organisiert. Von etwa 49 amerikanischen und europäischen Künstlern wurden für genauso viele private Wohnungen Kunstwerke und Installationen geschaffen, die dann über mehrere Wochen besucht werden konnten. Wenn man so will, hat sich schon damals eine Hinwendung zu neuen sozialen Funktionen in der Kunst angedeutet.

Über derartige partizipative Strategien wird soziales Kapital produziert, das Pierre Bourdieu 1983 als die Gesamtheit der aktuellen und potenziellen Ressourcen in einer Gemeinschaft beschrieben hat. Hier wird sich also zeigen, wie Kunst neben ihrer kulturellen Rolle im Museum oder als ökonomisches Kapital für Sammler und Spekulanten oder in symbolischer Weise für die Sinn- und Prestigesucher auch eine soziale Funktion im Alltag übernehmen kann. So hatten sich die Bürger bei der Befragung von Haus zu Haus 2013 an R&ST ausdrücklich mit dem Anliegen gewandt, den Kontakt zwischen den einzelnen Ortsteilen der Gemeinde zu beleben.

Wenn sich am 12. September bei einem Umzug des Künstlerkollektivs durch alle Ortsteile der Gemeinde Bürger bereit erklären, an einer ähnlichen Ausstellung teilzunehmen, wird ihnen ein Sockel zur Verfügung gestellt, den sie in ihrem Haus anbringen werden. Zwischen den Teilnehmern kann sich dann ein Austausch entwickeln, über den die Öffentlichkeit zunächst nichts weiter erfährt. Die Bürger werden Kunstwerke oder Dinge, die sie für sinn- und wertvoll halten, die sie selbst hergestellt haben oder anderen zeigen wollen, miteinander tauschen und jeweils in dem Haus ihres Tauschpartners ausstellen.

Am folgenden Tag, dem 13. September, soll dann im provisorischen Museum für Alles beim Kunstraum Tosterglope der Umgang mit den Sockeln, Dingen und Objekten durch beispielhafte kunstspezifische Handlungen gemeinsam spielerisch erprobt werden.

Nach Abschluss einer etwa einmonatigen Austauschphase werden die Häuser in den verschiedenen Gemeindeteilen ab dem 3. Oktober für Besucher geöffnet.

Gefördert wird das Projekt vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und von der Stiftung Niedersachsen im Format sozioK

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